Happy Birthday, Billy (Wilder) … Zum 105. Geburtstag

Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich wüsste noch, wann ich meinen ersten Billy Wilder-Film gesehen habe. Doch mein Interesse an alten Streifen aus der „Goldenen Ära Hollywoods“ ist früh geweckt worden. Wenn früher am Wochenende auf den dritten Programmen alte schwarz-weiß Filme liefen, dann schauten wir diese in der Familie. Auf diese Weise sah ich Klassiker wie „Bringing up, Baby“, „Gentlemen prefer Blondes“, „Arsenic and Old Lace“ oder „African Queen“. Kein Wunder, dass mich während des Studiums ebensolche Filme interessierten und meine Magisterarbeit über Ernst Lubitsch entstanden ist. Als die Themenwahl für meine Dissertation anstand, fiel die Entscheidung letztlich auf Lubitschs „Ziehsohn“: Billy Wilder.
Mittlerweile sind knapp acht Jahre vergangen, in denen mich Billy und seine Filme beschäftigt und begleitet haben. Die Dissertation ist abgeschlossen, die Publikation steht kurz bevor und noch immer faszinieren mich diese Filme. Wer sie kennt, weiß welche guter Beobachter Wilder war, wie nachhaltig pointiert die Filme sind, wie treffend formuliert die Dialoge klingen und wie aktuell die Themen auch heute noch sind. Das Themen- und Figurenspektrum ist immens und für seine Zeit visionär: Pechvögel, Politiker, (Ehe-)Frauen und Männer, Mörder, Kriegsgefangene, Alkoholiker, Journalisten, Showstars und Manager tragen u. a. Themen wie Travestie, Kuppelei und Prostitution, Angriffe auf das Hollywood-System, auf Politik und Presse … Gut verpackt in (zumeist) Komödien trifft der filmische Gesellschaftskarikaturist den Nerv – und wurde deshalb nicht selten als Zyniker verurteilt.
Heute gelten Filme wie „Some like it hot“, The Apartment“, „The Seven Year Itch“ oder „One, Two, Three“ ebenso als Klassiker wie Bonmots à la „Nobody s perfect“. Doch Wilders Werk bietet neben den bekannten Komödien, noch eine ganze Reihe weiterer Filme, die es zu schauen lohnt. Vielleicht ist ja der heutige 105. Geburtstag ein guter Anlass, eine Lanze für das Entdecken des Wilderschen Kosmos’ zu brechen. Die meisten Filme sind mittlerweile auch in Deutschland erhältlich. Anschauen sollte man sie aber, wenn möglich im Original – es lohnt sich!Alle Filme zu sehen ist (vielleicht) ein bissel ambitioniert, aber um einen Eindruck des breiten Spektrums zu bekommen, empfehle ich neben den genannten:
„Ace in the Hole“
„A Foreign Affair“
„Buddy, Buddy“
„Double Indemnity“
„Five Graves to Cairo“
„Love in the Afternoon“
„Stalag 17“
„Sunset Boulevard“
„The Fortune Cookie“
„The Front Page“
„The Lost Weekend“
„Witness for the Prosecution“

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