Geschichte verstehen – und daraus lernen…

Ich darf ja einige Landespreisverleihungen für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten moderieren. Das ist sowieso kein Job wie jeder andere. Schon gar nicht in der aktuellen Wettbewerbsrunde mit dem Thema „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ – und schon gar nicht vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation.
Gestern habe ich Beiträge gelesen von ganz jungen Schülerinnen und Schülern zwischen 8 und 13 Jahren. Viele haben historische Beispiele rund um das Thema Flüchtlinge und Vertriebene gewählt. Häufig mit einem familiären Bezug: Da werden Großeltern und Urgroßeltern interviewt, die von ihrer Flucht berichten, von ihren Erlebnissen, Ängsten, Schwierigkeiten, von ihrem Anderssein, ihrer Ausgrenzung …

Die meisten Beiträge nehmen Bezug auf die aktuellen Geschehnisse und ziehen ein klares Resümee:

  • Menschen flüchten aus unterschiedlichen Gründen, aber Flüchtlinge verlassen nicht grundlos ihre Heimat.
  • Vorbehalte gibt es damals wie heute – und immer noch werden bewusst Ängste geschürt.
  • Menschen, die anders sind, bereichern uns.
  • Wir sollten helfen, wenn wir können.
  • Menschen sollten willkommen sein!

So einfach, so klar, so auf den Punkt, dass mir beim Lesen gestern fast die Tränen kamen. Die Beiträge haben mich bewegt und mir noch einmal bewusst gemacht, dass genau das den Geschichtswettbewerb so wertvoll macht und ich deshalb die Auseinandersetzung mit Geschichte so wichtig finde!
Wenn es gelingt, nicht nur die Jahreszahlen und nüchternen Fakten zu vermitteln, sondern Geschichte begreifbar, nahbar und nachvollziehbar zu machen.
Wenn Geschichte ein Gesicht bekommt und kein abstraktes Konstrukt bleibt.
Wenn bereits Kinder und Jugendliche zum Erinnern beitragen und Geschichte auf die Gegenwart übertragen.

Ich freue mich auf die nächste Preisverleihung und darauf, diese jungen Spurensucher kennen zu lernen, an denen sich mancher ein Beispiel nehmen sollte.

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