Das Kind ist irgendwie groß geworden …

Das WG-Leben während des Studium war schon cool und ich will die Zeit nicht missen. Es war toll und wir hatten viel Spaß. Trotzdem kam der Zeitpunkt, wo klar war, ich will alleine wohnen – und das tat ich dann auch. Meine Wohnung war klein und gemütlich und hatte einen Riesenbalkon. Gut, Kenner wissen, dass man sich dort manchmal nicht unterhalten konnte, wenn grad ein Zug vorbeifuhr, aber daran haben wir uns gewöhnt 😉
Die Wohnbeschreibung, zwischen Autobahn, Zuglinie, Friedhof, Tankstelle und Pu** sorgte für Schmunzler und hatte Wiedererkennungswert. Ich habe mich wohl gefühlt und es war toll für die ersten Jahre im Berufsleben. Da es aber beengt war, gab es nie einen Tisch zum Essen. Im Sommer kein Problem, denn auf dem Balkon war genug Platz, ansonsten jedoch wurde gepicknickt. Das ist nett und völlig unproblematisch mit Freunden, doch mit „erwachsenen Menschen“? Irgendwie nicht so verlockend. Große Einladungen? Weit gefehlt …
Umso mehr freue ich mich jetzt – es gibt ENDLICH einen Esstisch und eine Küche, in der man sitzen und wunderbar bis tief in die Nacht schwätzen kann. So kann ich ohne Probleme zum Essen einladen und denjenigen einen Stuhl am Tisch anbieten. Die logische Konsequenz ist, wir feiern zum ersten Mal Weihnachten bei mir – und ich freue mich riesig darauf. Und ja, natürlich überlege ich schon jetzt, was ich koche!
Die Familie findet das prima, auch wenn man merkt, dass das Kind laaange weg war und die Tatsache, dass sie in der Zwischenzeit erwachsen geworden ist, doch zwischendrin für Verwirrung sorgt. Auf meinen Vorschlag, wir könnten Weihnachten bei mir feiern und auch sonntags mal wieder ein Kaffeetreffen machen, fragte mein Onkel besorgt, ob ich denn kochen und backen könne. Meine Mutter ist dauerhaft erstaunt. Sie war bereits in Marburg verwirrt, dass ihre Tochter aufgeräumt hatte („hättest Du doch nicht müssen“) und war irritiert, dass sie nicht abspülen durfte („willst Du das wirklich machen?“). Jetzt ist sie manchmal fassungslos. Das „Kind“ räumt auf und putzt – und dabei hat sie doch früher so unter meinem Chaos gelitten und mich versucht zur Ordnung zu erziehen. Das Bild der protestierenden 15-jährigen will sich nicht mit der heutigen Michi in Enklang bringen lassen. Ich war lange weg und wir müssen uns alle noch dran gewöhnen. Das Kind ist irgendwie groß geworden … Ich denke, das ist normal, schließlich bleiben wir für unsere Eltern immer Kinder. Also grinse ich über die verblüfften Reaktionen und rufe zu Tisch, denn irgendwie essen hier doch alle eigentlich ganz oft – und gerne 😉

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