Buchmessen-Revue 2011 – Zwischen Messeadrenalin und Melancholie

Messeturm
Was will man mehr? Schön war’s!
Die Buchmesse 2011 ist vorbei. Die ersten Nachwehen, wie Schlafmangel, Stimmverlust, Rücken und Füße sind überwunden, erste Messenachlese ist erfolgt und doch bin ich noch nicht ganz zurück im Alltagstrott. Ich bin einfach ein Messekind. Es gibt einige Kolleginnen/Kollegen, die bereits am Mittwoch die Messe verfluchen und die Stunden bis zur Abfahrt zählen. Für mich gehören diese Tage jedoch traditionell zu den schönsten im Jahr.
Eigentlich fängt es bereits im Sommer an. Ein erster Termin ergibt sich, man denkt noch an die Messe in weiter Ferne und schwupps, ist es September. Da heißt es dann die Planung anzugehen und Termine zu vereinbaren. Schneller als man es glauben möchte ist es Oktober und nur noch wenige Tage bis zur Messe bleiben übrig. Zeit, sich um die Garderobe zu kümmern, Wäsche waschen, bügeln, private Vorbereitungen für Übernachtungsgäste zu tätigen, noch einmal wichtige Kleinigkeiten wie Kopfschmerztabletten und Blasenpflaster sowie Versorgung zu kaufen – in meinem Falle gerne Buttermilch und Müsliriegel 😉
everybody’s public! Unser Buchprojekt für teNeues
Alles gerichtet, Unterlagen zusammen und los geht’s am Mittwoch Richtung Frankfurt. Egal wie stressig es davor gewesen sein mag, egal wie müde ich womöglich noch eben war, meine Füße betreten den Messeboden und ich bin DA! Messeadrenalin und das Gefühl von Zuhause sein durchströmen mich. Kaum angekommen, trifft man bekannte Gesichter und führt die ersten, meist ungeplanten Gespräche. Die fünf Tage vergehen wie im Flug zwischen geschäftlichen Terminen, privaten Verabredungen, kurzem Hallo-sagen, Twittagesen, Veranstaltungen, Buchpräsentationen, AVP und kurzem privatem Stöbern. Auch wenn die Zeit anstrengend ist, fühlen sich die Tage zu kurz an und ich begegne dem Sonntag mit einer gewissen Melancholie. So viele Kolleginnen/Kollegen, mit denen man sich unterhalten möchte, so viel Inspiration und Input zu Neuerungen, so viele spannende Termine – ein unmögliches Unterfangen, all dies mitzunehmen. Gut, dass man mit vielen auch über das Jahr in Kontakt steht und sich regelmäßig austauschen kann oder sch einfach nur so trifft!
Ein Kollege hat mir erzählt, dass er es gar nicht so leicht findet, in diese Branche aufgenommen zu werden. Ich kann es mir (nur) bedingt vorstellen. 2012 wird meine 10. Frankfurter Buchmesse sein. So sehr es für mich also nach all der Zeit wie ein großes Ferienlager erscheint, so fremd wirken wir auf Außenstehende und sind eine doch recht eingeschworene Gemeinde. Vielleicht manchmal sogar zu eingeschworen, fällt uns doch der Blick über den (Branchen-)Tellerrand nicht ganz so leicht. 2010 war schon eine besondere Messe, weil es für Dodo und mich die erste mit everybody’s public war, doch in diesem Jahr war es noch besser. Wir hatten wunderbare Gespräche und man hat uns so positiv empfangen, Interesse bekundet und uns eben genau dieses Gefühl vermittelt, angenommen worden zu sein.
Berufsbedingt bewegen wir uns nicht nur unter Verlagskollegen, doch muss ich gestehen, dass ich mich hier am wohlsten fühle. Es ist schön zu sehen, wie wir teilweise gemeinsam gewachsen sind. Da gibt es die „alten Hasen“, die man früher eher aus der Ferne kannte, die einem aber heute ganz vertraut sind. Da sind diejenigen in meinem Alter, mit denen ich teilweise gemeinsam angefangen habe und die nun eine eigene Riege sind. Nicht zuletzt der Nachwuchs, der sich seinen Weg sucht und mit ganz anderen Neuerungen „aufwächst“.

Entspannung nach der Messe

Wir alle bewegen uns zwischen der Tradition eines Kulturgutes und digitalen Lösungen, zwischen klassischer Pressearbeit und Onlinekommunikation, zwischen alt gedientem Lesezelt und Open Space … Getragen wird der Großteil von Herzblut, Leidenschaft und dem Glauben an ein ganz besonderes Produkt, das einfach nicht so recht nur Produkt sein will … Vielleicht macht genau das diese besondere Atmosphäre aus.
Ich hatte in diesem Jahr so viel Spaß auf der Messe, egal ob mit Freunden und Kolleginnen / Kollegen, beim Fotografieren der „Mienespiele“, bei book faces, beim Lesen des Messe-Mayers, bei Terminen, … Ich habe Tränen gelacht und danach kaum noch Stimme gehabt und habe es einfach nur genossen – Danke allen, die daran beteiligt waren! Jetzt heißt es wieder zurück an die Arbeit und in den Alltag, der ja auch so einiges zu bieten hat. Doch ein bissel was vom Messefeeling bewahre ich mir noch ein paar Tage, indem ich Blogbeiträge lese und mich auf meine neue Lektüre freue!

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